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Politische Bildung

Diese Seite bietet Lehrpersonen aller Fachbereiche und Zyklen einen kompakten Überblick über die wesentlichen Aspekte der politischen Bildung. Sie zeigt, wie politische Bildung im Unterricht umgesetzt und an die Lebenswelt der Schülerinnen und Schüler angebunden werden kann. Drei konkrete Unterrichtsbeispiele aus allen Zyklen laden dazu ein, politische Bildung direkt im Unterricht umzusetzen.

Unterrichtsbeispiele für alle drei Zyklen

Für jeden Zyklus steht ein Unterrichtsbeispiel mit vollständiger Planung, didaktischem Kommentar und allen benötigten Materialien zur Verfügung:

Politische Bildung in der Volksschule

Warum ist politische Bildung wichtig?

Politische Bildung ist höchst bildungsrelevant. Drei Begründungen dafür sind:

  1. Lebensweltbezug
    Politische Bildung knüpft an Phänomenen (zum Beispiel das Aufwachsen in einer direkten Demokratie) an, welche für Schülerinnen und Schüler bedeutsam sind.
  2. Lehrplanbezug
    Politische Bildung ermöglicht das Erschliessen politischer Konzepte und erlaubt das Entwickeln politischer Kompetenzen.
  3. Gegenwarts- und Zukunftsbedeutung
    Politische Bildung hat eine unmittelbare Gegenwartsbedeutung für die aktive Teilhabe an der heutigen Gesellschaft und eine klare Zukunftsbedeutung, indem sie den Grundstein für eine verantwortungsvolle Rolle als Bürgerin oder Bürger in der Zukunft legt.

Politische Bildung ist spiralförmig über alle drei Zyklen der Volksschule anzulegen und umfasst Wissen zu gesellschaftlichen Strukturen, zu Machtverhältnissen sowie zu Möglichkeiten der Partizipation. Sie fördert die Reflexionsfähigkeit und ermöglicht Schülerinnen und Schülern eine zunehmend fundierte Urteilsbildung.

Wo steht politische Bildung im Lehrplan?

Im Lehrplan 21 ist politische Bildung fächerübergreifend verankert. Das Ziel ist, Schülerinnen und Schüler zu befähigen, sich kompetent mit unterschiedlichen gesellschaftlichen Bedürfnissen und den daraus entstehenden gesellschaftspolitischen Fragen auseinanderzusetzen.

  • Zyklus 1 & 2: Im Fachbereich Natur, Mensch, Gesellschaft (NMG), insbesondere in NMG.10 («Gemeinschaft und Gesellschaft – Zusammenleben gestalten und sich engagieren») werden Kompetenzen zu Gemeinschaft, Konflikten, Institutionen, Macht, Recht und politischer Mitgestaltung aufgebaut. 
    Weitere wichtige Kompetenzbereiche sind NMG.6, NMG.7, NMG.9 und NMG.11.
  • Zyklus 3: Im Bereich Räume, Zeiten, Gesellschaften (RZG) unter RZG.8 («Demokratie und Menschenrechte verstehen und sich dafür engagieren») geht es um das Verständnis der Schweizer Demokratie, Menschenrechte und die Positionierung der Schweiz in der Welt.
  • Alle Zyklen: In den überfachlichen Kompetenzen, vor allem im Bereich «Soziale Kompetenzen» (z. B. Dialog-, Kooperations- und Konfliktfähigkeit), wird politisches Lernen grundlegend unterstützt.
    Zusätzlich ist das Thema «Politik, Demokratie und Menschenrechte» eines der sieben fächerübergreifenden Themen unter dem Dach der Bildung für Nachhaltige Entwicklung (BNE). Dabei wird der Erwerb von Orientierungswissen, Handlungskompetenz und Urteilsfähigkeit in komplexen vernetzten gesellschaftlichen Zusammenhängen gefördert.

Die Kompetenzentwicklung erfolgt über mehrere Zyklen hinweg und bedarf gezielter Förderung. Hinweise zur Umsetzung Politischer Bildung im Unterricht folgen hier.

Welche Kompetenzen fördert politische Bildung?

Politische Bildung in der Schule fördert folgende Kompetenzen*:

  • Politische Sachkompetenz: Verständnis von zentralen Begriffen, Themen und Konzepten der Politik
    Beispiel: Bei Wahlen Parteien erklären und vergleichen
  • Politische Methodenkompetenz: Kritisches Analysieren von Informationen und Formulieren eigener Standpunkte
    Beispiel: Bei Abstimmungen politische Botschaften erschliessen
  • Politische Urteilskompetenz: Differenziertes Bewerten politischer Fragen und begründete Meinungsbildung
    Beispiel: In einer Debatte zu einer politischen Kontroverse Stellung beziehen
  • Politische Handlungskompetenz: Bereitschaft und Fähigkeit, sich aktiv und reflektiert an politischen Prozessen zu beteiligen
    Beispiel: Beim Thema Raumplanung sich am partizipativen Prozess beteiligen und sich einbringen

Die vier Kompetenzen werden in den vorgeschlagenen Unterrichtsbeispielen adressiert.
→  Hier geht es zu den drei Unterrichtsbeispielen «Politische Bildung»

Wie gelingt die Umsetzung im Unterricht?

Die Umsetzung erfolgt primär in den Fächern NMG, RZG und ERG (Ethik, Religionen, Gemeinschaft), aber auch in Deutsch(z. B. D.3.C.1) und Musik (MU.2.B.1.i) sowie anderen Fachbereichen finden sich Kompetenzverweise.
Besonders im 3. Zyklus lässt sich die politische Bildung im Rahmen von Planspielen, Diskussionen oder vertieften Projekten konkretisieren. Auch ausserschulische Lernorte eignen sich für die Umsetzung in allen drei Zyklen.
Für eine differenzierte Umsetzung sind keine starren Lektionenzahlen vorgegeben, doch bieten NMG und die Fachperspektive RZG geeignete Gefässe (→  Planungshilfen NMG 1. bis 3. Zyklus). Die Auswahl der Themen soll grundsätzlich an der Lebenswelt der Lernenden ausgerichtet sein und Bezüge zu aktuellen politischen Fragen ermöglichen. Absprachen im Klassenteam und über alle Zyklen hinweg sind wichtig.

Beispiele für Lebensweltbezüge

  • Zyklus 1: Schülerinnen und Schüler treffen in ihrer Lebenswelt Entscheidungen auf verschiedene Arten. Im Unterricht lässt sich dies üben, indem die Klasse gemeinsam bestimmt, welches Kreisspiel als Nächstes gespielt wird. Dabei können folgende Entscheidungsformen ausprobiert und reflektiert werden: Einzelentscheid, Autorität, Einstimmigkeit, Losverfahren, Mehrheit oder Delegation.
    (Dossier WeitBlick NMG, S. 41f, Baustein 5)
  • Zyklus 2: Schülerinnen und Schüler entscheiden in ihrer Lebenswelt auf verschiedene Arten. Im Unterricht kann das geübt werden, indem die Schülerinnen und Schüler gemeinsam bestimmen, was das nächste NMG-Thema sein soll. Dabei können verschiedene Abstimmungsformen ausprobiert und reflektiert werden – etwa geheime, öffentliche oder gewichtete Abstimmungen.
    (Dossier WeitBlick NMG, S. 41f, Baustein 5)
  • Zyklus 3: Schülerinnen und Schüler werden in ihrer Lebenswelt von guten und schlechten Orten beeinflusst – sogenannte Orte und Unorte. Im Unterricht können sie üben, wie sich ein Unort in einen Ort verwandeln lässt. Dazu denken sie gemeinsam über öffentliche Räume nach, zum Beispiel über ihre Schule oder öffentliche Spiel- und Sportplätze. Mit konkreten Ideen können sie sich in die Raumplanung ihrer Gemeinde einbringen.
    (IdeenSet «Politische Bildung», PHBern)

Für die fachliche Konkretisierung politischer Bildung empfiehlt sich eine vertiefte Auseinandersetzung mit zentralen politischen Konzepten (Partizipation, Demokratieverständnis, Rechtsstaatlichkeit) sowie mit grundlegenden Denkweisen (multiperspektivisches Denken, Perspektivenwechsel, Kontroversität). Methoden wie Concept Maps können helfen, zentrale Begriffe und Zusammenhänge – z. B. zwischen Macht, Recht, Beteiligung und Öffentlichkeit – sichtbar zu machen und über die Stufen hinweg anschlussfähig zu gestalten. 
→  Hier geht es zur Liste «Ressourcen und Links» mit Hinweisen zur Fachliteratur
Für die hier aufgeführten Unterrichtsbeispiele wird ein Glossar mit den zentralen fachlichen Begriffen angeboten. Das Glossar richtet sich an Schülerinnen und Schüler.
→  Hier das Glossar zu den Unterrichtsbeispielen ansehen

Unterrichtsmaterialien
Unterrichtsmaterialien für politische Bildung sind vielfältig. Sie reichen von spezifischen Lehrmitteln wie Politik und du (hep) bis zu Lehrmitteln mit Anteilen politischer Bildung wie WeitBlick NMG (Schulverlag plus)Durchblick (Westermann)Zeitreise (klett) oder Gesellschaften im Wandel (Lehrmittelverlag Zürich).
→  Hier geht es zu den empfohlenen und kommentierten Lehrmittel NMG
Ergänzend stehen Umsetzungshilfen wie die Zyklus- und Jahresplanungen auf dem Fächernet, Unterrichtsmaterialien der PHBern in Form eines IdeenSets und die drei hier integrierten Unterrichtsbeispiele zur Verfügung.
→  Hier geht es zu den Zyklus- und Jahresplanungen NMG (Zyklus 1 bis 3)
→  Hier geht es zum IdeenSet «Politische Bildung» (Zyklus 3) der PHBern
→  Hier geht es zu den drei Unterrichtsbeispielen «Politische Bildung» 

Unterrichtsgestaltung
Die Kompetenzentwicklung in der politischen Bildung erfolgt über alle Zyklen hinweg in verschiedenen Fachbereichen und Perspektiven.
Für NMG.10 in den Zyklen 1 und 2 sowie RZG.8 im Zyklus 3 ist die Umsetzung strukturiert aufgebaut. In den folgenden Zyklusplanungen ist eine mögliche Verortung politischer Bildung ausgewiesen. Auch die hier ausgeführten Unterrichtsbeispiele sind einbezogen.

Ausserschulische Lernorte
Institutionen wie der Campus Demokratie oder das Polit-Forum Bern fungieren als wichtige Anlaufstellen für politische Bildung. Sie vermitteln Zugang zu ausserschulischen Angeboten von Non-Profit-Organisationen, darunter Schulen nach Bern oder schweiz debattiert.
→  Hier geht es zu ausführlichen Informationen zu ausserschulischem Lernen

Aktualitätsbezüge
Politische Bildung eignet sich besonders gut für Aktualitätsbezüge. Die Berner Gesamterneuerungswahlen bieten beispielsweise eine ideale Gelegenheit, um Themen wie «Wer hat die Macht in der Schweiz?» oder «Wahlen im Kanton Bern» zu thematisieren. Auch Sachabstimmungen auf eidgenössischer, kantonaler und Gemeindeebene eignen sich, um mit Schülerinnen und Schülern politische Konflikte zu erschliessen und die Bildung einer eigenen fundierten Meinung zu fördern.

Die Unterrichtsbeispiele aus den drei Zyklen sind konkrete Lernorte, die Politisches erlebbar machen. Ausgangspunkt aller drei Unterrichtsbeispiele ist das Wimmelbild «Bundesplatz Bern» (Vatter&Kaufmann, 2013). Zur Lernsituation:

Es ist heiss! Das Wasser auf dem Bundesplatz wird knapp – der Brunnen wird ausgeschaltet. Eine kontroverse Angelegenheit, die eine Versammlung erfordert. Schülerinnen und Schüler sind gefordert, ihre Konfliktfähigkeit zu üben und zu entwickeln.

Bild aus: M. Vatter, B. Kaufmann. (2013). Das Bern Wimmelbuch. Vatter & Vatter.

Die drei Unterrichtsbeispiele zeigen exemplarisch, wie politische Themen aufgegriffen werden können. Die Unterrichtsbeispiele sind erprobt und enthalten alle Informationen für die Planung sowie Begleitmaterialien für die Umsetzung im Unterricht.

Unterrichtsbeispiel Zyklus 1:
Wie überzeugst du andere?

→  Erfahre mehr und probiere die Unterrichtsmaterialien für den Zyklus 1 hier aus

Unterrichtsbeispiel Zyklus 2: 
Womit überzeugen dich andere?

→  Erfahre mehr und probiere die Unterrichtsmaterialien für den Zyklus 2 hier aus

Unterrichtsbeispiel Zyklus 3:
Woran merkst du, dass du selbst überzeugt bist?

→  Erfahre mehr und probiere die Unterrichtsmaterialien für den Zyklus 3 hier aus

Fachwissen – Welche Weiterbildungsmöglichkeiten gibt es?

Es ist wichtig, dass Lehrpersonen über die nötige Sachkompetenz verfügen, d. h. über relevante Konzepte der politischen Bildung, Schweizer Demokratie, Politik im Grossen Rat und der eidgenössischen Bundesversammlung Bescheid wissen und sich regelmässig über aktuelle Abstimmungen und Wahlen kundig machen. Hierfür eignet sich Der Bund kurz erklärt (Publikation der Bundeskanzlei). Auch die Standardwerke Schweiz in Sicht (Lehrmittelverlag Zürich) helfen dabei, die Konzepte der Schweizer Demokratie zu verstehen. Zusätzlich kann easyvote genutzt werden, um sich über politische Geschehnisse zu informieren.
Wer sich in die Fachdidaktik der politischen Bildung vertiefen möchte, kann Weiterbildungsangebote der PHBern oder Veranstaltungen für Erwachsene im Polit-Forum Bern besuchen.

Angebote der PHBern: Für die Schuljahre 2025/2026 und 2026/2027 steht das Weiterbildungs- und Dienstleistungsprogramm der PHBern unter dem Leitthema «Bildung und Demokratie». Die Angebote unterstützen Schulen und Lehrpersonen dabei, den Schülerinnen und Schülern die Kompetenzen der politischen Bildung zu vermitteln.
→  Hier geht es zum Leitthema «Bildung und Demokratie» der PHBern

 

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