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Lesen im Deutschunterricht in Zyklus 2

Wie die Erfahrung zeigt, ist der Zeitraum der Mittelstufe eine entscheidende Phase für die Lese- und Sprachkompetenz. Und darum von grosser Bedeutung für die psychisch-geistige und soziale Entwicklung der Schüler:innen. Ein curricular aufgebautes Lesekonzept im Unterricht ist jetzt zentral.

Leseförderung geht alle an

Viele Schüler:innen durchlaufen während der Mittelstufe eine besonders sensible Phase im Lesekompetenz-Entwicklungsprozess. Sie können nicht (mehr) mit dem steigenden Schwierigkeitsgrad interessanter Texte mithalten. Die Schere zwischen sehr guten Leser:innen und sehr schwachen Leser:innen klafft immer weiter auseinander und eine Folge davon zeigt sich im sogenannt 1. Leseknick. Dieser referiert, dass 19 % der Knaben und ca. 7 % der Mädchen über sehr schwache Leseleistungen in der 3. und 4. Klasse verfügen. Entsprechend hohe Diagnosefähigkeiten und ein breites Repertoire an verschiedenen Methoden zur Förderung der Lesekompetenz sind von Lehrpersonen jetzt gefordert.

Spezifische Herausforderung

Bei Kindern mit Leseschwierigkeiten wird Lesen schnell zur lästigen Pflicht. Zumal in der Vorpubertät ganz allgemein Hobbys und andere Aktivitäten an Attraktivität gewinnen. Doch bieten sich darin auch Chancen: indem Lehrpersonen ein Lesekonzept mit curricularem Aufbau im Unterricht implementieren, welches gedruckte wie digitale Medien mit grosser Themenvielfalt mit einbezieht, können sie die Lust am Lesen fördern. Was eine wichtige Vorbereitung für die nochmals steigenden Kompetenzanforderungen ist, welche die Jugendlichen mit dem Übertritt in den Zyklus 3 am Ende der 6. Klasse erwarten. Denn ab dieser Stufe gehört neben Leseflüssigkeit und Lesemotivation auch ein zielgerichteter Einsatz von Lesestrategien dazu.

Basale Lesefertigkeiten und Lesestrategien

Für die Förderung der basalen Lesekompetenz und der Lesestrategien, welche Voraussetzung für das Leseverständnis sind, haben sich folgende Verfahren als gewinnbringend gezeigt:

  • Die Arbeit mit «Lesen. Das Training», mit dem das Automatisieren, die Leseflüssigkeit und die Lesestrategien gefördert werden können
  • Die Arbeit mit Lesetandems
  • Das Lesetheater

Lesemotivation

Um die Lesemotivation und das Selbstkonzept von Schüler:innen zu stärken, braucht es eine Lesekultur im Schulzimmer, im besten Falle sogar in der ganzen Schule. Leseanimatorische Verfahren wie das gegenseitige Vorstellen von Texten, das regelmässige Vorlesen durch die Lehrperson (bei der vielleicht sogar die vorgelesenen Bücher im Schulhaus einen prominenten Platz erhalten, siehe Beispiel im Schulhaus Kirchenfeld), gemeinsame Aktivitäten der ganzen Schule (Lesenächte, gegenseitiges Vorlesen im Dezember, [Vor-]Lesetage etc.) schaffen um das Lesen eine Normalität, die zur Habitualisierung beitragen kann. Auch der Austausch über das Gelesene, sei es eine Klassenlektüre oder persönliche Lieblingsbücher bzw. andere Texte, macht das Lesen zu einem gemeinsamen Akt.

Verfahren, die sich zur Förderung eignen, sind:

  • Das Vorlesen durch die Lehrperson
  • Lesenächte
  • Leseolympiaden
  • Das Lesetheater
  • Die Teilnahme an nationalen Anlässen wie dem Vorlesetag und der Erzählnacht
  • Das Zeigen von Büchern, die im Unterricht in den unterschiedlichen Klassen gelesen werden, und die Möglichkeit, Bücher auszutauschen (Tauschbibliotheken)

Fazit

Das heisst, das Lesen muss in der Schule und im Unterricht einen festen Platz erhalten, wobei einerseits individuell an den Lesekompetenzen gearbeitet werden kann, andererseits die Klasse oder sogar die Schule gemeinsam die Relevanz des Lesens aufzeigt. So kann in der sensiblen Phase der Mittelstufe sowohl die nötige Lesekompetenz aufgebaut werden, um im 3. Zyklus zu bestehen, wie auch durch Lesevorbilder und Leseanimation die Lesemotivation aufrechterhalten werden, die es braucht, damit sich Lernende dem anstrengenden Leselernprozess überhaupt aussetzen.

Literatur

Harmgarth, Frederike (Hrsg.) Lesegewohnheiten – Lesebarrieren. Schülerbefragung im Projekt „Öffentliche Bibliothek und Schule – neue Formen der Partnerschaft“ der Bertelsmann-Stiftung; Gütersloh 1997; S. 26

Kruse, Gerd, Riss, Maria, Sommer, Thomas (2019). Lesen. Das Training 2. Fertigkeiten – Geläufigkeiten – Strategien. Bern: Schulverlag plus. 7. Auflage. [2013].

Kutzelmann, Sabine und Cornelia Rosebrock (2018). Praxis der Lautleseverfahren. Baltmannsweiler: Schneider Hohengehren.

Nix, Daniel (2006): Das Lesetheater. Integrative Leseförderung durch das szenische Vorlesen literarischer Texte. Praxis Deutsch, 33, 199, S. 23-29.

Rosebrock, Cornelia (2012). Was ist Lesekompetenz und wie kann sie gefördert werden? Leseforum 3. Online verfügbar unter: https://www.leseforum.ch/myUploadData/files/2012_3_Rosebrock.pdf [geprüft am 10.09.2021].

Rosebrock, Cornelia, Nix, Daniel (2020). Grundlagen der Lesedidaktik und der systematischen schulischen Leseförderung. 9. aktualisierte Aufl. Baltmannsweiler: Schneider Verlag Hohengehren [2006].

Rosebrock, C., Nix, D., Rieckmann, C. & Gold, A. (2013). Leseflüssigkeit fördern. Lautleseverfahren für die Primar‐ und Sekundarstufe. 2. Auflage. Seelze: Klett/Kallmayer.

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