Logo Kanton Bern / Canton de Berne Fächernet Volksschule
  • de
  • fr

Leseförderung im Fachbereich Bildnerisches Gestalten

Sprachsensibilität hat im Bildnerischen Gestalten über das Lesen hinaus einen hohen Stellenwert.

Text: Karin Lerch, Lehrperson Bildnerisches Gestalten, Susanne Junger, Dozentin Bildnerisches Gestalten PHBern

Bilder und Texte lesen

In den Kompetenzbereichen Wahrnehmung und Kommunikation (BG.1) sowie Kontexte und Orientierung (BG.3) werden Kompetenzen gefördert, die sowohl visuelle als auch recherchierende resp. lesende Zugänge zu Bildern ermöglichen. Analogien zwischen Merkmalen von Sprache und Merkmalen von Bildern werden im Bildnerischen Gestalten genutzt und explizit ausgewiesen. Bilder lesen oder «visual literacy» verbindet sich mit dem Lesen von Texten.

Über Erzählen (Entwickeln, Kombinieren), Zeigen (Deuten, Klären) und Erfinden (Imaginieren, Assoziieren) als zentrale motivationale Aspekte des Bildnerischen Gestaltens stossen lesende Handlungen Rezeption und Reflexion an. Lesende Zugänge zu bildnerischen Themen können produktive Handlungen initiieren und Weiterentwicklungen in bildnerischen Prozessen anstossen.

Fachspezifisches Vokabular aufbauen

Über das Lesen von Texten im Kontext von Kunst und Bild mit je fachspezifischen Textsorten entwickeln die Schülerinnen und Schüler einen passiven Wortschatz, der sie darin unterstützt, Qualitäten und Lernfortschritte bezüglich ihrer Prozesse und Produkte sowie Bezüge zu Kunst und Bildern (eigene und fremde) wahrzunehmen und mit aktiver Sprache zu benennen.

Das Kommunizieren mit Sprache über bildnerische Inhalte, Prozesse und Produkte bildet einen wichtigen Bestandteil fachspezifischen Lernens. Schülerinnen und Schüler erhalten über Fachbegriffe und Wortlisten (z.B. Adjektive, Substantive) ein Vokabular, um ihre bildnerischen Prozesse und Produkte zu beschreiben. Das Erarbeiten von Fachwortschatz verbindet im Lehrplan 21 die überfachliche Methodenkompetenz der Sprachfähigkeit mit fachlichen Kompetenzen. Über sprachlich begründete, ästhetische Urteile bekommt das bildnerische Tun für die Schülerinnen und Schüler Sinn und Gewinn.

Herausforderung Leseschwierigkeiten

Aufgabenstellungen im Bildnerischen Gestalten werden sowohl mündlich als auch schriftlich initiiert. Um das Leseverständnis zu unterstützen und um Schülerinnen und Schüler mit Leseschwierigkeiten abzuholen, werden Arbeitsschritte, der Einsatz bildnerischer Gestaltungsmittel sowie der Umgang mit Materialien und Werkzeugen visualisiert. (Bild)Medien, haptisch greifbare Materialien und Lernumgebungen mit Aufforderungscharakter sind zur Anschauung für das Verständnis von Aufgaben zentral. Lehrmittel und Arbeitsblätter, die das Leseverständnis herausfordern, werden im Bildnerischen Gestalten kaum eingesetzt. Leseaufträge bei Recherchen zu Kunst und Bildwelten des Alltags werden angeleitet und mit Lernhilfen, wie z.B. einem Glossar oder einem Bildermenü (Bildersammlung) unterstützt und begleitet. Hier ist die Sprachsensibilität der Lehrperson gefordert.

Aktuell wird ein Lehrmittel im Bildnerischen Gestalten entwickelt, das diesen Anspruch an das Fach aufnimmt. Anders als in Deutschland werden Arbeitsbücher zuhanden der Schülerinnen und Schüler im Bildnerischen Gestalten in der Schweiz kaum eingesetzt. Somit entfällt die «lesende Hürde» zum Erschliessen von Aufgaben weitgehend.

Lehrplan 21

Das Fachverständnis nach LP 21 fordert Aufgabenstellungen, die mit bildnerischen Fragen in Inhalte und Problemstellungen einführen. Die bildnerischen Fragen sind durch die Lehrperson sprachlich verständlich und einfach zu formulieren, so dass ohne lange Textelemente eine forschend handelnde sowie reflexive Grundhaltung im bildnerischen Prozess gefördert wird. Im Suchen und Finden bildnerischer und auch sprachlicher Antworten/Lösungen zu den Fragen verbinden die Schülerinnen und Schüler Bildideen und -absichten mit persönlichen Wahrnehmungen, Vorstellungen und Gedanken. Ein längerfristiges Ziel im Bildnerischen Gestalten ist es, Schülerinnen und Schüler zur Entwicklung eigener bildnerischer Fragen anzuleiten und zu ermutigen. Leseförderung geschieht auch bei der formativen Begleitung über Reflexionsfragen, Stichwortlisten und Satzfragmente, mit denen Selbstbeurteilung und Peer - Feedback angeleitet werden.

Im Zyklus 1 liegt der Fokus fast ausschliesslich auf der mündlichen Sprachförderung, dem Erarbeiten von Fachwortschatz und dem Lesen von Bildern und Symbolen.

Im Bildnerischen Gestalten werden auch Möglichkeiten für fächerverbindenden Unterricht aufgezeigt (z.B. Bezug zu Medien und Informatik, Deutsch, Natur-Mensch-Gesellschaft). Wird das Fach Deutsch einbezogen, so können Erwartungen bezüglich Lesekompetenzen resp. Ansprüche an Leseförderung aus der Fachperspektive heraus formuliert werden.

Seite teilen