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Leseförderung im Fremdsprachenunterricht

Lesen bedeutet im heutigen Fremdsprachenunterricht vor allem, die wesentlichen Inhalte zu verstehen. Die SuS lernen zur Erschliessung des Textes verschiedene Strategien und Hinweise zu nutzen. Das kann für SuS mit Leseschwierigkeiten ein Vorteil sein, weil das Lesen sie so beim Lernen der Sprachen weniger beeinträchtigt. Andererseits ermöglicht diese Art Unterricht es ihnen zu wenig, Französisch und Englisch genau lesen zu lernen und ihre Leseschwierigkeiten zu überwinden. Risikokinder für eine Leseschwäche in den Fremdsprachen sind vor allem SuS, die eine Leseschwäche in der Unterrichtssprache Deutsch aufweisen (Gerlach, 2019; Rindlisbacher, 2021).

Text: Sybille Germann, Cornelia Frigerio Sayilir

Wie werden Schüler:innen mit Leseschwierigkeiten im Fachbereich erkannt?

Sind SuS mit Leseschwierigkeiten bereits in der Unterrichtssprache Deutsch erfasst und betreut, können sie erworbene Strategien für das Leseverstehen (z.B. im Rahmen von IF-Lektionen) vor allem zu Beginn des Fremdsprachenunterrichts gut nutzen. Allerdings benötigen sie oft länger als andere SuS, sich auf einer Lehrmittelseite zu orientieren, zu lesen und Gelesenes zu verarbeiten (Gerlach, 2019, S. 40). Bereits in der 3. Klasse kann beobachtet werden, dass SuS mit Leseschwierigkeiten die explizit eingeführten Graphem-Phonem-Korrespondenzen nicht gleich schnell und sicher beherrschen wie unauffällige Leserinnen und Leser (Rindlisbacher, 2021, S. 302).
Da SuS mit einer Leseschwierigkeiten öfter Misserfolgserlebnisse haben und sich selbst als nicht kompetent erleben, entwickeln sie wenig Selbstvertrauen. Dies kann sich auf ihre Unterrichtsbeteiligung auswirken.

Welche Auswirkungen haben Leseschwierigkeiten auf die Leistungen im Fachbereich?

Zu Beginn können sich betroffene SuS am Fremdsprachenlernen beteiligen, Fortschritte machen und die Freude daran bewahren.

Fortgeschrittene Lernende mit Leseschwierigkeiten, die zunehmend mit Texten arbeiten, können Lesen jedoch wenig als Instrument zur Erschliessung von Inhalten und von Sprachstrukturen nutzen. Lesen kann schlechter zum Vokabellernen eingesetzt werden, weil der Leseprozess selbst langsam und aufwändig ist. Der grosse Unterschied zwischen Klang und Wortbild erschwert es, sich Wörter zusammen mit dem Wortbild zu merken. Weiter kann Lesen auch wenig zum Entdecken von sprachlichen Merkmalen (z.B. Verbindungen, Mehrzahlbildung) beitragen. Dadurch entsteht ein Rückstand in der Grammatikentwicklung.

Wie kann Leseförderung im Fachbereich aussehen?

Sollen die SuS in den Fremdsprachen lernen, Wörter und später auch Sätze und Texte flüssig zu lesen, dann braucht es einen gezielten Leseunterricht. Das kann insbesondere auch im Hinblick auf den weiterführenden Bildungsweg wichtig sein.

Neben der Vermittlung von Lesestrategien sollte früh ein Fokus auf Sprache (Kompetenzbereich Sprache(n) im Fokus LP21) gelegt werden, zum Beispiel mit Vergleichen der Graphem-Phonem-Korrespondenzen und der Wortbildung, oder auch mit Nachdenken über den eigenen Wortschatzerwerb. Gezielte Förderung des Lesens bedeutet zudem, dass in Englisch und Französisch die spezifischen Graphem-Phonem-Korrespondenzen vermittelt und automatisiert werden. Neben den GPK können grössere Leseeinheiten wie Morpheme eingeführt und genutzt werden (Rindlisbacher, 2021, S. 319). Sie verknüpfen bestimmte Schreibungen mit einer Bedeutung, was Abspeicherung und Abruf erleichtert. So können Lehrpersonen das aus dem Deutschunterricht bekannte Konzept der Morpheme explizit aufgreifen und mit allen SuS ausbauen. Besonders für Englisch, aber auch fürs Französische ist es zudem hilfreich, wenn die häufigsten Wörter als Ganzwörter gelesen und geübt werden (Gerlach, 2019, S. 48 ff.).
In einem weiteren Schritt können Methoden der Leseförderung eingesetzt werden, wie sie für Deutsch üblich und bewährt sind. Dazu gehören Anpassungen bei den Rahmenbedingungen (z.B. Layout, ruhiger Raum, Zeit, klarer Leseauftrag), aber auch gezielte Fördermethoden (siehe Link Fächernet). Diese führen mit der Zeit dazu, dass die SuS immer mehr Wörter automatisiert erkennen und damit ihren Lesefluss verbessern.

Schliesslich können technische Hilfsmittel nützlich sein, z.B. Programme, die vertonte Texte zum Mitlesen verlangsamen oder Software, die vorgelesene Wörter hervorhebt und Layout optimiert.

Wer muss involviert sein? Wo erhalten die Schulen Unterstützung?

Für differenzierende Massnahmen ist primär die Regellehrperson zuständig. Beratung und Unterstützung können die Fachpersonen der Schulischen Heilpädagogik und der Logopädie bieten.

Die Zusammenarbeit mit Eltern kann wichtig sein, um gemeinsam Prioritäten festzulegen. Was zuhause geübt werden soll, muss zuerst im Unterricht aufgebaut worden sein.

Weiterführende Links

  • Microsoft Office: Technologien für mehr Teilhabe. Informationen zu Leseunterstützung in den Programmen Microsoft Office (Word, Excel, PowerPoint, etc.).

  • Wordly.de: Lesetraining

  • Studienkreis.de: Fremdsprachenerwerb mit Legasthenie

  • LRS-Legasthenie: Morpheus Englisch

Literatur

Gerlach, David (2019). Lese-Rechtschreib-Schwierigkeiten (LRS) im Fremdsprachenunterricht. Tübingen: Narr.

Rindlisbacher, Barbara (2021). Lesen in der Fremdsprache Französisch. Kompetenzen von Drittklässlerinnen und Drittklässlern mit unterschiedlichen Schrift- und Sprachfähigkeiten in der Erstsprache Deutsch. Münster: Waxmann.

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